Zwei Stadien prägen die Geschichte der Seattle Seahawks: Von 1976 bis 2000 war der Kingdome ihre erste Heimat. Seit 2002 tragen die Seahawks ihre Heimspiele im heutigen Lumen Field aus – einem der lautesten und markantesten Stadien der NFL. Wir stellen Euch beide Spielstätten und ihre Geschichte vor.
Kingdome
In den 60er Jahren lag der Spitzensport in Seattle noch brach. Obgleich ein großes Interesse vorhanden war, fand sich in der Stadt im Nordwesten der USA kein Major-Team, also keine Franchise, die ihren Platz in einer der großen Ligen NFL, MLB, NHL oder NBA hatte – später kam noch die MLS hinzu.
In diesen Tagen war Baseball die Sportart Nummer eins – auch in Seattle. Um aber ein Team in der Major League Baseball platzieren zu können, war die Voraussetzung ein Stadion, das den Anforderungen entsprach. Das vorhandene Sick’s Stadium, ein Baseballstadion mit 11.000 Plätzen, erfüllte diese jedoch nicht. Als Seattle 1967 endlich einen Franchise-Vertrag für ein MLB-Team in der American League erhielt, verlangte die Liga einen entsprechenden Aus- und Umbau auf mindestens 30.000 Plätze. Da das Sick’s Stadium allerdings dermaßen marode war, explodierten die Kosten so sehr, dass die Eigner bereits nach der ersten Saison pleite waren und das Team, die Seattle Pilots, 1970 nach Milwaukee wechselte und dort zu den Brewers wurde.

Trotzdem hatten Entscheider und Fans in Seattle nun Blut geleckt. Obwohl die Stadt wieder ohne Team war, forcierten die Verantwortlichen den Neubau eines Stadions für zunächst veranschlagte 40 Millionen US-Dollar – letztendlich kostete es 67 Millionen US-Dollar. Der Kingdome wurde 1976 eröffnet und bot Platz für über 60.000 Besucher. Bei Sportveranstaltungen und Konzerten kamen teilweise über 70.000 Menschen.
Noch im selben Jahr erhielt die Stadt den Zuschlag für ein American-Football-Team: Die Seahawks waren geboren und zogen als erstes Major-Team in den Kingdome ein. Die höchste Zuschauerzahl bei einem NFL-Spiel wurde 1976 bei der Partie gegen die Los Angeles Rams gezählt, als 62.532 Besucher die Drehkreuze der Mehrzweckarena passierten. Schon zu dieser Zeit machte sich die Spielstätte in Seattle einen Namen als eine der lautesten im ganzen Land. Außerdem ist der Kingdome bis heute das einzige Stadion, in dem die All-Star-Spiele der drei großen Ligen NFL, NBA und MLB ausgetragen wurden.
Über die Jahre sollte sich zeigen, dass bei der Konstruktion und Fertigung der Kuppel des Kingdome Fehler dazu geführt hatten, dass Wasser eintrat und sich Steinplatten lösten. Die Kosten für die Instandhaltung wuchsen Jahr für Jahr auf am Ende über 50 Millionen US-Dollar.
Diese Flickschusterei würde wohl noch heute weitergehen, wenn sich in den 90er Jahren nicht zwei aus sportlicher Sicht entscheidende Dinge ereignet hätten:
- 1995 erreichten die Seattle Mariners aus der MLB die Vorschlussrunde der Championship Series und untermauerten damit nachhaltig ihren Anspruch, ein eigenes, zeitgemäßes Baseballstadion zu bekommen.
- Ein Jahr später kündigte der damalige Besitzer der Seattle Seahawks, Ken Behring, an, die Franchise unter anderem wegen Sicherheitsbedenken und der Erdbebengefahr nach Los Angeles umsiedeln zu wollen. Der Umzug scheiterte nur daran, dass die Seahawks nicht vor 2005 aus dem Mietvertrag für den Kingdome gekommen wären. Behring bot daraufhin das Team zum Verkauf an. Microsoft-Mitbegründer Paul Allen übernahm die Franchise in letzter Sekunde – die Umzugswagen waren bereits beladen –, nachdem er die Behörden überzeugen konnte, einen Stadionneubau zu unterstützen. Der Kingdome war im Jahr 2000 Geschichte.
Fortan trugen die Seattle Seahawks ihre Heimspiele zunächst im Stadion der Washington Huskies aus. Auf dem Gelände des Kingdome entstand anschließend ihre neue Heimat. Die Seattle Mariners empfangen gegnerische MLB-Teams seitdem im direkt benachbarten T-Mobile Park, dem früheren Safeco Field.
Lumen Field
Der Kingdome war im Jahr 2000 Geschichte – und die Seattle Seahawks bekamen ein neues Stadion. Paul Allen, der Besitzer des Teams, plante den Bau der neuen Heimat federführend. Das Stadiondach wurde so konstruiert, dass bei Regen und Wind aus der Hauptwindrichtung vor allem die gegnerische Mannschaft nass werden soll. Zudem sorgt die Dachkonstruktion dafür, dass sich ein enormer Lärmpegel aufschaukelt. Die Geräuschkulisse wandert über die Tribünen nach oben unters Dach und wird von dort zurückreflektiert. Wer schon einmal vor Ort im Stadion war, kann dieses einzigartige akustische Erlebnis nachvollziehen, das den Quarterbacks anderer Teams regelmäßig die Kommunikation erschwert.

Das Lumen Field – früher CenturyLink Field, Qwest Field und Seahawks Stadium – ist eines der lautesten Stadien weltweit. Es wurde mittlerweile auf 72.000 Plätze erweitert und wird neben American Football auch für Fußballspiele der Seattle Sounders und Open-Air-Konzerte genutzt. Zur Südseite hin ist das Bauwerk geschlossen. Im Oberrang befindet sich dort das Toyota Fan Deck, eine Plattform, auf der vor jedem Heimspiel der Seahawks die Flagge der 12s gehisst wird. Sitzplätze in diesem Bereich bieten einen atemberaubenden Ausblick auf Seattles einzigartige Skyline mit der ikonischen Space Needle. Möglich ist diese Perspektive, weil die Nordseite des Stadions fast komplett offen ist. Einzig das einem Turm ähnelnde Hawks Nest bietet weiteren Zuschauern Sitzplätze auf Sitzbänken.
Wie Wissenschaftler herausfanden, haben die Fans in der Heimstätte der Seattle Seahawks bereits die Erde zum Beben gebracht. Der legendäre Beast-Mode-Lauf von Running Back Marshawn Lynch, später auch „Beast Quake“ genannt, versetzte die Fans so sehr in Ekstase, dass ihr Jubel und der ohrenbetäubende Lärm die Tribünen in Schwingung versetzten. Diese übertrugen sich auf den Boden, wo Seismographen Ausschläge registrierten.
Zahlen und Fakten
- Baubeginn: September 1998
- Eröffnung: 28. Juli 2002
- Baukosten: rund 430 Millionen US-Dollar
- Kapazität: bis zu 72.000 Plätze
Während der Bauphase wichen die Seahawks in den Jahren 2000 und 2001 ins Stadion der Washington Huskies aus. Rund um das Lumen Field gibt es etwa 10.000 Parkplätze, die zum Teil auch fürs Tailgating am Spieltag genutzt werden. Südlich des Stadions liegt das WAMU Theater – an Spieltagen die „Touchdown City“ –, in dem vor den NFL-Spielen das Rahmenprogramm stattfindet. Noch weiter südlich befindet sich der T-Mobile Park, das frühere Safeco Field und heutige Stadion der Seattle Mariners aus der MLB. Ein Super Bowl hat bislang nicht in Seattle stattgefunden, da das Endspiel meist in überdachten Arenen oder in wärmeren Regionen ausgetragen wird.